Geschichte
Torquato "Toggi" Cibolini
Die Lehre
Durch Zeichnungslehrer Hr. Geiser vom Schulhaus an der Grabenpromenade, wurde mir einen Berufsweg in Richtung Zeichner empfohlen. In einem zufällig von mir gesichteten Zeitungsinserat wurde ein Schaufenster Dekorateur Lehrling, mit zeichnerischen und handwerklichen Vorkenntnissen gesucht. Ich meldete mich bei der suchenden Herrenkonfektionsfirma Dick, am Weisenhausplatz in Bern. Dem Dekorateur Robert Büschi, einem ehemaligen Frey Kleider Dekorateur haben meine Zeichnungen, aber auch meine Freizeitgestaltung mit Sport und Musik und vor allem die schon einige Jahre dauernde Flugmodellbauerei imponiert, sodass ich die Lehrstelle auf Anhieb bekommen habe. Einen grossen Glücksfall für mich, wie das spätere Berufsleben zeigen sollte.
Als 15 1/2-jähriger konnte ich direkt nach der Schulzeit mit der 3-jährigen Lehre beginnen. Die Besuche am Donnerstag in der Kunstgewerbeschule mit den Stunden bei den Fach-Lehrern Widler und Oberli über Farbe, Schrift, Gestaltung, Material und… zeigten mich in einer ganzen neuen Art von Schule. Auch die mit Grafiker und Töpfer zusammengelegten Vorabend Schulstunden in Deutsch oder Kunstgeschichte bei Hr. Michel und Rechnung oder Buchhaltung bei Hr. Weber, brachten mir neben Bekanntschaften mit Dimitri (Müller), Alan Bernard, Hene Jordi, Chrigu Beck und…, existenzialistische Lebensansichten, ausser Nietzsche mit seiner Peitsche, sind die modernen Strömungen aus Kunst, Literatur, Musik, Moden und Sprache von Paris ausgegangen. Der Umstand, dass mein Lehrmeister Robert Büschi, sich selbständig machte und mit mir als Stift ein eigenes Deko-Atelier im neu erstellten Wankdorf-Stadion eröffnete, zeigte mir jetzt auch die Vielfalt des Dekorateur, Schaufenster und Schaukasten dekorieren durfte/musste ich nun neben zusätzlichen Konfektionsgeschäften und Coiffeursalons auch Markenfenster.
Mit dem Velo unterwegs, dekorierte ich für Getränkefirmen in div. Lebensmittelgeschäften, mit gestalteten Karton-Motiven vom Grafiker Leupin Pepita und Toco und dem neuen Rivella. Erste Messestände baute ich für Radio Steiner an der Hospes in Bern. Die mit Pinsel von Hand geschriebenen Plakate und Preisetiketten, wie sie mein Lehrmeister vormachte, habe ich trotz jahrelangem Üben nie erreicht.
Der Dekorateur
Nach Abschluss meiner Lehre im Frühjahr 1956 fand ich sofort eine Anstellung bei der Herrenkonfektionsfirma Truns in Chur. Meine Aufgabe als allein Dekorateur wurden die Schaufenster in den Verkaufsläden in Truns dem Fabrikstandort, St.Gallen und meinem Standort in Chur. Nach nur 6 Wochen die Kündigung, noch in der Probezeit, weil ich die nach einer Woche verwelkten Blumen in den Schaufenstern in Truns, trotz meiner Vorankündigung nicht bereit war auszuwechseln. Die Besitzerfamilie Thuor duldete keine Widerrede.
Nach einem Abstecher nach Italien, zurück in Bern, fand ich erst auf Herbst eine neue Anstellung im Warenhaus der Gebrüder Meier in Biel, das zur Gruppe Inovatione SA gehörte. Da ich noch als Stellenloser die RS vor verschoben hatte und dieser Termin feststand, wurde mir im Oktober 1956 trotzdem zu einem Monatslohn von Fr 525.-, 75.- weniger als in Chur, eine Stelle angeboten. Versprochen wurde mir aber der halbe Monatslohn während der RS, was in dieser Zeit ein Luxus war. Ich musste aber nach der RS zu den gleichen Bedingungen meine Stelle wieder besetzen. Das passte mir, denn Stellen als Dekorateur waren schon in dieser Zeit sehr gesucht und ich konnte den Bedingungen zustimmen. Beim Wiederantritt fand ich mit Chrigu Beck einen guten Bekannten aus der Lehrlingszeit im Deko-Team vor, der auch täglich mit der Bahn zwischen Bern nach Biel pendelte. Nach Absolvieren der UO, diesmal aber ohne Lohn, arbeitete ich weiter im Deko-Team, das in der Zwischenzeit von über 12 Dekorateuren aus Spargründen auf 4-5 Mitarbeiter verkleinert wurde. Meinen Monatslohn betrug immer noch 525.-. Die Arbeitszeit im Warenhaus zu dieser Zeit: Montag 14.00-16.30, Dienstag bis Freitag 08.00-18.30, Samstag 08.00-16.00, mit je 2 Stunden Mittagspause. Sonntagsverkäufe an der Braderie (Bielerfest), drei im Advent und der Stephanstag sowie die Überstunden bei den Saisoneröffnungen, Auf- und Abbau an der Bieler Messe und den Aussen-Dekorationen wurden zwar mit der Stempeluhr erfasst, aber nicht vergütet. 2 Wochen bezahlte Ferien war die Norm. Grati für die Adventszeit wurde uns mit einem Warengutschein von 10.- verdankt, mit der Begründung den letztjährigen Weihnachtumsatz um 3 % verpasst zu haben. Wir, das Deko-Team verbrannten die Gutscheine aus Protest vor dem Warenhaus, neu Inovatione. Mein Ersuchen, den Monatslohn nach über zwei Jahren auf 600.- zu erhöhen, scheiterte am Veto der Direktion aus Lausanne, die nur 590.- bewilligten. Mir ist die Krämerei verleidet und ich habe trotz der Zusage, dass die Filiale Biel die fehlenden 10.- nachlegen werde, meine Kündigung auf Ende Mai 1959 eingereicht.
Nach dem Abstecher nach Spanien habe ich bei Heinrich Widler, meinem ehemaligen Fachlehrer, eine Arbeitsstelle in seinem Atelier angetreten. Das Hauptgebiet war neben div. Dekorationen bei Firmen in Bern, der Messebau. An der MUBA habe ich bei div. Ständen mitgebaut und in den jeweils fast 2 Monaten in Basel, den Messebau mit all seinen Facetten erlernt. Nach 2 Jahren fehlten beim Atelier Widler die Messe Aufträge und mir wurde gekündigt.